Brasilien – Universitäten

Brasilien verfügt über ein breitgefächertes und dezentralisiertes Hochschulsystem. Die am 31. August 2017 veröffentliche Statistik über die tertiäre Bildung (Hochschulbildung), ausgearbeitet vom brasilianischen Bildungsministerium (MEC - Ministério da Educação) und vom Nationalen Institut für Bildungsforschung Anísio Teixeira (INEP) bestätigt, dass es derzeit 2.407 Hochschulen in Brasilien gibt, die landesweit etwa 34.366 grundständige Studiengänge mit berufsqualifizierendem Abschluss anbieten.

Das Hochschulsystem unterscheidet zwischen Universitäten (universidades), universitären Zentren (centros universitários), den so genannten faculdades und den Bundesinstituten (Institutos Federais), die privat oder staatlich sein können. Staatliche Einrichtungen können von Bund, Land oder Kommunen getragen werden. Die Universitäten zeichnen sich durch die untrennbare Einheit von Lehre, Forschung und Weiterbildungsangeboten (extensão) aus. Diese sind interdisziplinäre akademische Einrichtungen, die Wissen unter festen Vorgaben des brasilianischen Bildungsministeriums lehren. Das Ministerium bestimmt beispielsweise, dass ein Drittel der Stellen mit Dozentinnen und Dozenten in Vollzeit und ein Drittel mit Postgraduierten und Doktorandinnen und Doktoranden zu besetzen sind.

Im Unterschied dazu, werden an den universitären Zentren zwar ein oder mehrere Wissensgebiete abgedeckt, die Durchführung von Forschungsarbeiten nach festen Regeln ist jedoch nicht verpflichtend. Die faculdades bieten Studiengänge in einem bestimmten Fachbereich an und können an eine Universität oder ein universitäres Zentrum angeschlossen sein, können aber auch, unabhängig sein.
Die Bundesinstitute sind auf die fachliche Ausbildung ausgerichtet mit Berufsbildungsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen, zum Beispiel, schulbegleitende Ausbildung, technische Lehr- und Studiengänge, Lehrerausbildung, sowie postgraduale Studien.

Private Institutionen können gewinnorientiert oder gemeinnützig arbeiten. Im letzteren Fall muss zwischen konfessionellen und nicht-konfessionellen Einrichtungen unterschieden werden.

Gemäß den Angaben des INEP, die am 31. August 2017 aktualisiert wurden, gibt es 296 öffentliche und 2.111 private Bildungseinrichtungen in Brasilien.

In jedem der 27 brasilianischen Bundesstaaten gibt es Universitäten, die vom Staat bzw. vom Bundesstaat abhängig sind. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass es in Brasilien bis Anfang des 19. Jahrhunderts keine einzige höhere Fachschule bzw. Hochschule gab. Nach der Abhängigkeit Brasiliens wurden vereinzelt die ersten Fachhochschulen gegründet, die keine offizielle Bezeichnung, wie “Universität” oder “Berufsfachschule”, hatten. Insbesondere waren diese Fachschulen auf Jura, Medizin und Ingenieurwissenschaften spezialisiert. Die Universidade de São Paulo (USP), eine der bedeutendsten Universitäten Brasiliens, wurde im Jahr 1934 gegründet.

Zahlen und Fakten

Seit der Einrichtung des Prouni-Programms stieg die Anzahl der Studierenden an brasilianischen Universitäten beträchtlich. Prouni ist ein Programm des brasilianischen Bildungsministeriums, das Hochschulstipendien an Schülerinnen und Schülers vergibt. Die Voll- bzw. Teilstipendien sind für grundständige Studiengänge oder Fortbildungskurse an privaten Hochschulen bestimmt.

Die am 31. August 2017 vom Nationalen Institut für Erziehungswissenschaft und Forschung Anísio Teixeira (Inep) veröffentlichte Erhebung zum Hochschulwesen 2016 zeigt, dass die Anzahl der Einschreibungen trotz Wirtschaftskrise in privaten Einrichtungen stabil bleibt. Im Jahr 2016 haben fast 3 Millionen Schülerinnen und Schüler den Übergang von der Schule ins Hochschulwesen bestritten, wobei 82,3% in das private Netzwerk aufgenommen wurden. Das Netzwerk verzeichnete einen Zuwachs von 2,9% unter den Neueinschreibungen, während öffentliche Hochschulen einen Rückgang von 0,9% aufwiesen.

Nach einem leichten Rückgang der vorherigen Volkszählung hatte der Anteil des Neuzugangs im Fernstudium ein Wachstum von 2,2%. Im Zeitraum von zwei Jahren wuchs die Anzahl der Fernstudiengänge um 20%, während die Einschreibungen um 3,7% zurückgingen. Auf lange Sicht wird sich dieses Phänomen noch stärker ausprägen. Während das öffentliche System 22,2% neue Immatrikulationen in den letzten zehn Jahren erzielen konnte, hat sich der Wert der Neuzugänge im Fernstudium fast vervierfacht (297,3%). Demnach ist der Anteil neuer Studierender in diesem Zweig der akademischen Weiterbildung von 10,8% im Jahr 2006 auf 28,2% im Jahr 2016 angestiegen. Die Umfrage zeigt auch, dass die Präsenzkurse um 6,6% in der Anzahl der Neueinschreibungen gesunken sind. Fernstudiengänge verloren einen Anteil von 4,6% neuer Schülerinnen und Schüler im Vergleich zu 2014.

Während die Zahl der Neueinschreibungen steigt, kann dies nicht von den absolvierten Hochschulabschlüssen behauptet werden. Im Direktvergleich gab es 2016 2,4% mehr Absolventinnen und Absolventen als im Jahr 2015. Im Fernstudium sank der Anteil um 1,3%. Insgesamt kommen nur 19,7% der Absolventinnen und Absolventen aus diesem Bereich.

Im Jahr 2016 stieg die Zahl der eingeschriebenen Studierenden (laufendes und abgeschlossenes Studium) weiter an, doch dieser Trend verlangsamte sich im Vergleich zu den letzten Jahren. Zwischen 2006 und 2016 gab es einen Anstieg von 62,8%, mit einem jährlichen Durchschnittswachstum von 5%. Im Vergleich zu 2015 betrug die positive Abweichung nur 0,2%.

Laut Volkszählung waren im Jahr 2016 8.408.701 Studierende immatrikuliert, davon 75,3% in privaten Einrichtungen. Im Jahr 2016 wurden 34.366 Hauptstudiengänge an 2.407 Hochschulen in Brasilien angeboten.

Der Statistik zufolge gab es insgesamt 6,1 Millionen freie Plätze an öffentlichen und privaten Hochschulen, wobei nur 42,1% vergeben sind und 13,5% der übrigen Plätze bereits belegt waren.

Die Statistik liefert auch Daten über die Abschlussquoten. Der Bachelorstudiengang wird weiterhin von neuen Studierenden am meisten nachgefragt, was letztendlich eine höhere Abschlussquote nach sich zieht. Hinsichtlich des Lehramts- und Technologiestudium können jedoch abweichende Beobachtungen wahrgenommen werden.

Im Lehramtsstudium wuchs die Zahl der Einschreibungen um 12,8% und bildet somit die höchste Zuwachsrate. Die Technologiestudiengänge stiegen um 2,8%, das allgemeine Bachelorstudium verzeichnete einen Rückgang. Der Studiengang, der hauptsächlich von weiblichen Studierenden besucht wird (71,7%), hat eine Präsenz von 61,9% in der Anzahl der Anmeldungen in privaten Einrichtungen.

In der Hochschulbildung ist der technologische Zweig am stärksten ausgeprägt. In zehn Jahren hat sich die Zahl der Auszubildenden in diesem Gebiet mehr als verdreifacht und trotz eines leichten Rückgangs im Jahr 2016 ist der Anteil der Studienanfängerinnen und -anfänger in den letzten zehn Jahren um 190% gestiegen. Etwa 40% von ihnen befinden sich derzeit im Fernstudium.

Private Hochschulen überwiegen

Laut Statistik sind 87,5% der brasilianischen Hochschulen privat. Unter den öffentlichen Universitäten teilt sich es wie folgt auf: 40,7% werden von den Bundesstaaten organisiert, 36,3% vom Bund und 23% von den Kommunen. Bei den meisten Universitäten handelt es sich um öffentliche Hochschulen (54,9%), während wir bei privaten Einrichtungen insbesondere universitäre Zentren (94%) und Fakultäten (93%) vorfinden.

Von den existierenden Universitäten in Brasilien haben sich 8,2% der gesamten Institutionen auf die Hochschulbildung ausgerichtet. Mehr als die Hälfte (53,7%) der immatrikulierten Bachelorstudierenden absolvieren ihr Studium auf einer Universität, davon bestehen für 93% der Studiengänge Anwesenheitspflicht. Hinsichtlich der in Brasilien angebotenen Präsenzkurse im Hochschulwesen kommen auf jeden in öffentlichen Universitäten eingeschriebenen Studierenden 2,5 Immatrikulierte aus dem privaten Sektor.

Die Statistik zeigt, dass 2016 die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen in Präsenzstudiengängen um 2,4% im Vergleich zu 2015 gestiegen ist. Im Vergleich verzeichnete die Anzahl der Absolventinnen und Absolventen im Fernstudium nach einer Wachstumsphase 2016 einen leichten Rückgang: Während es im Jahr 2015 noch 20,3% waren, fiel der Wert im Jahr 2016 auf 19,7%. Die Beteiligung von Dozierenden mit Doktortitel an den öffentlichen und privaten Institutionen nimmt weiterhin zu, jedoch sinkt die Teilnahme von Fachleuten mit Spezialisierung in beiden Sektoren jedes Jahr. Die meisten Professorinnen und Professoren an den Universitäten sind promoviert (54,6%), in Hochschulen sind es 17,9%. Der private Sektor konzentriert den niedrigsten Prozentsatz von Doktoranden unter den Lehrenden.

Sowohl in Präsenzstudiengängen als auch in Fernstudiengängen machen Frauen den größten Anteil aus. In den Präsenzstudiengängen ist das Durchschnittsalter der Studierenden 21 Jahre. Bei den Fernstudiengängen sind die Studierenden im Schnitt 28 Jahre alt. Die drei Kurse mit den höchsten Einschreibungszahlen, sowie den meisten Studierenden im Jahr 2009, sind Verwaltung, Recht und Pädagogik. Daran schließen sich Bauingenieurwesen, Betriebswissenschaft, Krankenpflege, Psychologie, Sportwissenschaft, Architektur und Städteplanung sowie Produktentwicklung an. So konzentrieren sich allein 51% der Anmeldungen des Landes auf 10 Studiengänge. Die Pädagogik-Bachelorstudiengänge weisen den höchsten Frauenanteil auf. Der höchste Männeranteil ist dagegen in Rechtswissenschaften zu verzeichnen.

Die meisten ausländischen Studierenden (45%), die an einer weiterführenden Ausbildung in Brasilien teilnehmen, kommen aus Amerika. Von  den 20 Ländern mit der höchsten Anzahl ausländischer Studierender in Brasilien, ist Venezuela das einige Land Südamerikas, das nicht dazu gehört. Im Jahr 2016 kommen 28% der ausländischen Studierenden aus Ländern des afrikanischen Kontinents.

Rankings

Laut dem fachbezogenem QS World University Ranking, das am 28. Februar 2018 veröffentlicht wurde, zählt die Universidade de São Paulo (USP) zu den weltbesten Universitäten in 41 von 48 evaluierten Bereichen. Demnach gehört die USP zu den 50 besten Universitäten in folgenden Disziplinen: Zahnmedizin (Platz 15), Sportwissenschaften (Platz 20), Architektur (Platz 28), Kunst und Design (Platz 31), Bergbautechnik (Platz 33), Agrar- und Forstwissenschaften (Platz 36), Moderne Sprachen (42), Anthropologie (Platz 46), Tiermedizin (Platz 47) sowie Jura (Platz 50). In 20 weiteren Fachgebieten gehört die USP zu den 100 besten und in neun weiteren Disziplinen ist die USP unter den 150 besten der Welt platziert. In einem Bereich ist die USP unter den besten 250 zu finden. 

Die spezifischen Bereiche sind in fünf Hauptbereiche unterteilt, in denen sich die Universität in der Gesamtrangliste in allen Bereichen gegenüber zum Vorjahr verbessern konnte. In den Kunst- und Geisteswissenschaften bewegte sich die USP vom 114. Platz (2017) auf den 79. Platz. Im Ingenieur- und Technologiewesen verbesserte sich der Rang von 177 auf 142. Die Biowissenschaften und Medizin konnten sich von Platz 129 auf den 96. Platz steigern, in den Naturwissenschaften vom 155. Platz auf den 109.Platz und in den Sozial- und der Verwaltungswissenschaften erzielte die Universität den 107. Platz (im Vorjahr Platz 146).

Im Ranking QS World 2018 erscheint die USP auf Platz 121 der weltbesten Universitäten. In den Jahren 2016 und 2017 belegte sie noch den 120. Platz.

Im Ranking der Times Higher Education (THE) von 2017 erscheint Unicamp als beste Institution in Lateinamerika. Die Institution übertraf die USP, die bis zum Vorjahr führend war - es ist das erste Mal, dass die Universität von einer anderen brasilianischen Institution in einer internationalen Klassifizierung übertroffen wurde. In den Top 10 finden sich noch drei weitere brasilianische Universitäten wieder: Unifesp (Federal University of São Paulo) auf Platz 7, UFRJ (Federal University of Rio de Janeiro) auf Platz 8 und PUC-Rio (Pontifícia Universidade Católica do Rio Januar) auf den neunten Platz.

Brasilien erscheint im Ranking mit 18 Institutionen unter den 50 Besten in Lateinamerika und ist somit die größte Gruppe unter den Ländern in der Region. Allerdings sind einige Platzierungen in der Liste verloren gegangen: 2016 gehörten noch 23 brasilianische Institutionen dazu. Obwohl viele Einrichtungen ihre Punktzahl verbessern konnten, verschlechterten sich, aufgrund des Fortschritts von Institutionen in anderen Ländern, 20 Platzierungen in der Rangliste. Unter den insgesamt 81 aufgeführten Institutionen sind 32 brasilianische verzeichnet.

Laut dem Shanghai Ranking 2017 (Akademisches Ranking der Weltuniversitäten - ARWU) reiht sich die USP als beste Universitäten in Brasilien in die Rankingklasse 151-200 ein. Auch die Unesp konnte sich ebenso wie die Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) im Ranking behaupten und sind in den besten 301-400 Universitäten vertreten, also in den Top 400 der Welt. Insgesamt wurden über 1.300 Hochschulen bewertet und die TOP 500 der Welt veröffentlicht.

Das Shangai Ranking stützt sich bei seiner Auswertung auf sechs Kriterien, die unter anderem folgende Aspekte berücksichtigen: Anzahl der Nobelpreise, Anzahl der Forschungsarbeiten, die in Publikationen auf hohem Niveau erscheinen, sowie die Zitierquote der Forschenden von jeder Universität in Arbeiten ihres Fachbereiches.

Im Ranking Universitário Folha (RUF) 2017 erreichte die Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) mit 97,42 Punkten den ersten Platz, knapp gefolgt von der Universidade Estadual de Campinas (Unicamp) mit 97,31 Punkten. Die restlichen acht der TOP 10 Universitäten sind: USP (97,24), Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG) mit 96,81, Universidade Federal do Rio Grande do Sul (UFRGS) mit 95,86, Universidade Federal de Santa Catarina (UFSC) mit 93,16, Universidade Estadual Paulista (UNESP) mit 93,15, Universidade Federal do Paraná (UFPR) mit 92,82, Universidade de Brasília (UnB) mit 91,61 und die Universidade Federal de São Carlos (UFSCar) mit 90,92.

Das Ranking wird jährlich von der Tageszeitung Folha de S. Paulo erstellt. Hierbei werden 195 brasilianische Universitäten in Vergleich zueinander gestellt. Folgende Aspekte werden bei der Auswertung der Universitäten berücksichtigt: Qualität der Lehre, Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt, Forschung, Internationalisierung und Innovation. Zudem bewertet das RUF in unabhängigen Rankings die 40 gefragtesten Studiengänge Brasiliens, entsprechend der Klassifikation der Hochschulrangliste von 2014.

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