Brasilien - Ministerien

Ministerium für Wissenschaft, Technologie, Innovation und Kommunikation (MCTIC)​
Im Mai 2016 fusionierte das brasilianische Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Ministério da Ciência, Tecnologia e Inovação, MCTI) mit dem Ministerium für Kommunikation, woraus das Ministerium für Wissenschaft, Technologie, Innovation und Kommunikation (Ministério da Ciência, Tecnologia, Inovações e Comunicações, MCTIC) entstand. Das MCTIC fördert die Forschung in den Wissenschaften und den Technologie- und Innovationssektor in Brasilien. Es gibt zudem Antworten auf politische Fragen von nationalem Interesse, etwa mit Bezug zu Nuklearthemen, der Biosicherheit, wissenschaftlicher technologischer und innovativer Forschung, zur Planung, Koordination, Supervision und Kontrolle des Wissenschafts- und Technologiesektors, der Entwicklung der Informatik, Kontrolle und Automatisierung von Vermögen und Leistungen und für strategische Belange.

Im Mai 2016 wurde außerdem die Nationale Strategie für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Estratégia Nacional de Ciência, Tecnologia e Inovação, Encti) 2016 bis 2019 vorgestellt. Das Dokument sieht ein Nationales Wissenschafts-, Technologie- und Innovationssystem vor, das Brasilien dabei unterstützt, Fortschritte im wissenschaftlichen und technologischen Bereich zu erlangen und dabei die Wettbewerbsfähigkeit brasilianischer Produkte und Prozesse erhöhen soll.

Dafür legte die brasilianische Regierung verschiedene Grundpfeiler fest, die die wissenschaftliche Grundlagenforschung sowie die technologische Entwicklung vorantreiben sollen; die Modernisierung und Erweiterung der Infrastruktur für Forschung, Entwicklung und Innovation; die Weiterbildung, Attraktivitätssteigerung und Steigerung im Bereich der Human Resources und die Förderung der technologischen Innovationen in Unternehmen. Für jeden dieser Pfeiler innerhalb des Programms sind Prioritäten festgesetzt, die auf die Struktur des Nationalen Wissenschafts-, Technologie- und Innovationssystem aufbauen.

Ziel ist es, Brasilien als ein Land mit einer hohen Entwicklungsquote im Bereich der Forschung, Entwicklung und Innovation zu profilieren. Dazu sind zunächst die institutionellen Bedingungen zu stellen, um die Produktivität für mehr Innovation zu erhöhen, zudem sind die regionalen Unterschiede zwischen Produktion und dem Zugang zu Forschung, Entwicklung und Innovation zu reduzieren und neuartige Lösungen für die Inklusion auf Seiten der Produktion und auf sozialer Ebene zu gestalten. Des Weiteren sollten die Ausgangspunkte für eine nachhaltige Entwicklung gefördert werden.

Um diese Ziele zu erreichen, beinhaltet das Programm elf strategische Bereiche: Luft- und Raumfahrt und deren Sicherheit, Wasser- als auch Lebensmittelversorgung, Biomasse und Bioökonomie, Wissenschaften und Sozialtechnologien, Klima, digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Energie, nukleare Themen, Gesundheit und technologischer Zugang und Ausstattung. In diese Felder sollen auf kohärentem Wege Investitionen fließen, um deren Leistungsfähigkeit auszubauen.

Das Encti-Programm 2016 bis 2019, das eine andere Strategie 2012 ablöste, wurde bereits von der Regierung unter Dilma Rousseff in Zusammenarbeit mit der wissenschaftlichen Gemeinde und dem Produktionssektor entwickelt. Daneben wirkten auch der Nationale Forschungsrat (Conselho Nacional de Desenvolvimento Científico e Tecnológico, CNPq) und die Förderagentur für  Studien und Projekte (Financiadora de Estudos e Projetos, Finep) an der Entwicklung der Strategie mit. Ein Gremium der Öffentlichkeit gewährleistete die Teilnahme vonseiten der Gesellschaft.

Bildungsministerium (MEC)
Das Bildungsministerium fördert durch Programme wie Ciência Sem Fronteiras die Konsolidierung, Erweiterung und Internationalisierung der Hochschulen und der akademischen Forschung. Deutschland gehört im Rahmen dieses Programms zu den wichtigsten Partnern Brasiliens. Weitere Aktionsfelder sind das Schul- und Hochschulwesen, Alphabetisierung und Inklusion. Über Organisationen wie beispielsweise die Förderagentur Capes werden verschiedene innovative Programme gefördert.


Ministerium für Bergbau und Energie (MME)
Einer der Tätigkeitsbereiche des Ministeriums für Bergbau und Energie ist die Entwicklung der Wissenschaft und Technologie in Brasilien. Das MME investiert daher in Forschungszentren in diesem Sektor. Das Zentrum für Forschung im Bereich Elektrische Energie (Centro de Pesquisas de Energia Elétrica - Cepel) gehört zu den wichtigsten Zentren und ist die größte Forschungseinrichtung für elektrische Energie in der südlichen Hemisphäre. Das Cepel verfügt über 34 Labore und etwa 500 Mitarbeiter. 70 % der ForscherInnen haben einen Master-Abschluss oder einen Doktortitel.  Insgesamt werden sieben Forschungsbereiche abgedeckt, u.a. Energieoptimierung und Umwelt. Das Zentrum entstand auf Initiative des Energieunternehmens Eletrobras und feierte im Dezember 2014 sein 40-jähriges Bestehen.

Gesundheitsministerium (MS)
Die brasilianische Regierung hat eine Reihe von Fördermaßnahmen für die Forschungsentwicklung im Gesundheitssektor eingerichtet, um so Investitionen in das öffentliche Gesundheitswesen zu lenken. Die Aktivitäten in diesem Bereich werden von der Nationalen Politik für Wissenschaft, Technologie und Innovation im Gesundheitssektor bestimmt. Die vollständigen wissenschaftlichen und technologischen Erkenntnisse werden in allen Einrichtungen des öffentlichen Gesundheitssystems (Sistema Único de Saúde - SUS) angewandt.


Verteidigungsministerium (MDN)
Die Entwicklung neuer Technologien ist fundamental für die Umsetzung der Nationalen Verteidigungsstrategie Brasiliens. Das Verteidigungsministerium fördert und realisiert verschiedene Forschungsprojekte und investiert in Innovation. Seit Anfang des Jahres 2015 läuft unter anderem ein Programm zu Cyberschutz in der öffentlichen Verwaltung und der nationalen Industrie. Das Programm soll die Interaktion zwischen Regierungsorganen, Forschungszentren und -instituten, Universitäten, dem Produktionssektor und der IT-Branche sowie anderen Organisationen  im In- und Ausland fördern. Brasilien unterhält bilaterale Beziehungen zu Deutschland, wozu auch eine strategische Kooperation in der Verteidigung gehört.

Ministerium für Landwirtschaft, Viehzucht und Versorgung (MAPA)
Das Ministerium verfügt über Programme und Finanzierungsmöglichkeiten, die die Forschung und Innovationen in relevanten Sektoren fördern sollen. Die wichtigste Initiative des MAPA sind die Landwirtschaftlichen Forschungszentren (Embrapa), die 1973 gegründet wurden und sich mit der Entwicklung eines brasilianischen Modells für die tropische Landwirtschaft und Viehzucht beschäftigen. Damit wurden Hindernisse in der Produktion von Lebensmitteln, Fasern und Energie in Brasilien überwunden. Es gibt rund 50 solcher Zentren, die mit anderen Forschungseinrichtungen im In- und Ausland kooperieren.

Ministerium für Agrarentwicklung (MDA)
Investitionen für technologische Innovationen in landwirtschaftlichen Familienbetrieben gehören zu den strategischen Zielen des Ministeriums für Agrarentwicklung. Dafür existiert ein spezielles Programm, das die Schulung von Fachkräften für die technische Unterstützung und landwirtschaftliche Beratung (Assistência técnica e extensão rural - Ater) vorsieht. Im Rahmen des Programms wurden Arbeitsforen eingerichtet, an denen führende Mitarbeiter im Bereich der technischen Unterstützung in ländlichen Regionen teilnehmen. Außerdem finden thematische Veranstaltungen für Wissens- und Technologietransfer sowie Ausbildungskurse für die Modernisierung von Technologien und Methoden statt.

Umweltministerium (MMA)
Das Umweltministerium unterstützt und fördert Projekte für Forschung und Innovation auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Dazu gehören unter anderem Projekte zu Technologieentwicklung und Pionieranwendungen von Produkten und Prozessen für die Förderung von ökologischen Sanierungsmaßnahmen (besonders im Bereich der Wasser- und Abwasseraufbereitung), Umweltüberwachung und Naturkatastrophenschutz, nachhaltiger Produktion mit Maßnahmen zur Energieeffizienz im Industriesektor sowie zu Prävention und Regulierung atmosphärischer Emissionen.

Außenministerium (MRE)
Die Kooperation in den Bereichen Wissenschaft, Technologie und Innovation besteht mit Ländern unterschiedlicher Entwicklungsgrade weltweit und ist Teil der brasilianischen Außenpolitik. Die Hauptaufgabe des Außenministeriums ist es, die Partnerschaften mit den lateinamerikanischen Ländern und insbesondere mit den Mitgliedsländern des Mercosul zu vertiefen. Mit Ländern wie Russland, Indien, China und Südafrika, die auf einem ähnlichen wissenschaftlichen und  technologischen Stand sind wie Brasilien, bestehen vielfältige Kooperationen für den Technologietransfer.


Ministerium für Entwicklung, Industrie und Außenhandel (MDIC)

Mit der Regierung von Präsident Michel Temer wurde das brasilianische Ministerium für Entwicklung, Industrie und Außenhandel (Ministério do Desenvolvimento, Indústria e Comércio Exterior, MDIC) zum Ministerium für Industrie, Außenhandel und Services. Der Teil MDIC des Kürzels wurde beibehalten. 

Die Förderung der Innovationskultur bildet den Ausgangspunkt für die Tätigkeit des Ministeriums. Über ein spezielles Sekretariat werden verschiedene Fördermechanismen für die Entwicklung innovativer Projekte in brasiliansichen Unternehmen erarbeitet. Dazu zählen steuerliche und finanzielle Anreize, Qualifikationen in technologiebasierten strategischen Sektoren, öffentlich-private Kooperationen und die Gewinnung von Wissenschafts- und Technologiezentren. Ein weiteres bedeutendes Programm konzentriert sich auf die internationale Innovationskooperation zwischen brasilianischen und ausländischen Unternehmen.


Ministerium für Planung, Haushalt und Management (MPOG)
Für ein modernes und effizientes Management ist die Entwicklung und Einführung neuer Technologien grundlegend. Das Ministerium für Planung, Haushalt und Management ist daher dafür zuständig, geltende Regelungen für Technologieinnovationen zu aktualisieren und die Kultur der Informationssicherheit weiter auszubauen. 2014 wurde eine Reihe neuer Systeme für die Verarbeitung von tätigkeitsbezogenen Daten der staatlichen Angestellten und von Daten zur Struktur der Regierungsorgane eingeführt. So wurde zum Beispiel ein neues Lohnabrechnungssystem für die brasilianische Bundesregierung geschaffen.

 

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