Brasilien – Universitäten

Brasilien verfügt über ein breitgefächertes und dezentralisiertes Hochschulsystem. Die im Oktober 2016 veröffentliche Statistik über die tertiäre Bildung (Hochschulbildung), ausgearbeitet vom brasilianischen Bildungsministerium (Ministério da Educação - MEC) und vom Nationalen Institut für Bildungsforschung Anísio Teixeira (INEP) bestätigt, dass es heute 2.364 Hochschulen in Brasilien gibt, die landesweit etwa 33.501 Studiengänge mit erstem berufsqualifizierendem Abschluss anbieten.

Das Hochschulsystem unterscheidet zwischen Universitäten (universidades), universitären Zentren (centros universitários), den so genannten faculdades und den Bundesinstituten (Institutos Federais), die privat oder staatlich sein können. Staatliche Einrichtungen können von Bund, Land oder Kommunen getragen werden.
Die Universitäten zeichnen sich durch die untrennbare Einheit von Lehre, Forschung und Weiterbildungsangeboten (extensão) aus. Diese sind interdisziplinäre akademische Einrichtungen, die Wissen unter festen Vorgaben des brasilianischen Bildungsministeriums lehren. Das Ministerium bestimmt beispielsweise, dass ein Drittel der Stellen mit DozentInnen in Vollzeit und ein Drittel mit Postgraduierten und DoktorandInnen zu besetzen sind.

Im Unterschied dazu, werden an den universitären Zentren zwar ein oder mehrere Wissensgebiete abgedeckt, die Durchführung Forschungsarbeiten nach festen Regeln ist jedoch nicht verpflichtend. Die faculdades bieten Studiengänge in einem bestimmten Fachbereich an und können an eine Universität oder ein universitäres Zentrum angeschlossen sein, oder aber auch, unabhängig sein.

Die Bundesinstitute sind auf die fachliche Ausbildung ausgerichtet mit Berufsbildungsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen, zum Beispiel, schulbegleitende Ausbildung, technische Lehr- und Studiengänge, Lehrerausbildung, sowie postgraduale Studien.
Private Institutionen können gewinnorientiert oder gemeinnützig arbeiten. Im letzteren Fall muss zwischen konfessionellen und nicht-konfessionellen Einrichtungen unterschieden werden.


Gemäß den Angaben des INEP, die in Oktober 2016 aktualisiert wurden, gibt es 298 öffentliche und 2.070 private Bildungseinrichtungen in Brasilien.

In jedem der 27 brasilianischen Bundesstaaten gibt es Universitäten, die vom Staat bzw. vom Bundesstaat abhängig sind. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass es in Brasilien bis Anfang des 19. Jahrhunderts keine einzige höhere Fachschule bzw. Hochschule gab. Nach der Abhängigkeit Brasiliens wurden vereinzelt die ersten höhere Fachschulen gegründet, die keine offizielle Bezeichnung, wie “Universität” oder “Berufsfachschule”, hatten. Insbesondere waren diese Fachschulen auf Jura, Medizin und Engenieurwissenschaften spezialisiert. Die Universidade de São Paulo (USP), eine der bedeutendsten Universitäten Brasiliens, wurde im Jahr 1934 gegründet.

Laut dem fachbezogenem QS World University Ranking, das am 7. März 2017 veröffentlicht wurde, zählt die Universidade de São Paulo (USP) zu den weltbesten Universitäten in 41 von 46 evaluierten Bereichen. Somit gehört die USP zu den 50 besten in folgenden Disziplinen: Zahnmedizin (Platz 18), Rohstoffingenieurwesen (Platz 25), Sportwissenschaften (Platz 31), Architektur (Platz 35), Agrar- und Forstwissenschaften (Platz 35), Tiermedizin (Platz 38), Kunst und Design (Platz 42), Anthropologie (Platz 42), sowie Jura (Platz 50). In 20 weiteren Fachgebieten gehört die USP zu den 100 besten und in anderen neun Disziplinen ist die USP unter den 150 besten der Welt platziert. In einem Bereich ist die USP unter den besten 250 zu finden. 

Im Ranking QS World 2016 erscheint die USP auf Platz 120 der weltbesten Universitäten. Das ist das beste Ergenis der USP  seit 2010, und zwar seitdem das Ranking im neuen Format veröffentlicht wird. Noch im Jahr 2015 belegte die USP den 143. Rang. Die sichtliche Verbesserung ist insbesondere auf das höhere „akademische Ansehen“ der USP und das „Ansehen seitens des Arbeitgebers“ zurückzuführen. So konnte die USP nach zwei Jahren ohne Veränderung, im Jahr 2015 einige Plätze aufholen.

Bereits das Ranking Times Higher Education (THE) von 2016 betonte die Qualität der brasilianischen Institutionen im Hinblick auf die Hochschulen Lateinamerikas. Der Publikation zufolge sind die USP und die Universidade Estadual de Campinas (UNICAMP) die besten Universitäten dieser Region. Ebenfalls fällt auf, dass die meisten Universitäten, die im Ranking zu finden sind, aus Brasilien kommen. Somit finden wir unter den besten 50 Hochschulen Lateinamerikas: 23 aus Brasilien, 11 aus Chile, 11 aus Mexiko und 4 aus Kolumbien. Venezuela ist mit zwei Hochschulen vertreten, Peru und Costa Rica jeweils mit einer. Die komplette Ranking-Liste ist auf der Webseite der Zeitschrift zu finden.

Im Ranking QS World 2016 erscheint die USP auf Platz 120 der weltbesten Universitäten. Das ist das beste Ergenis der USP  seit 2010, und zwar seitdem das Ranking im neuen Format veröffentlicht wird. Noch im Jahr 2015 belegte die USP den 143. Rang. Die sichtliche Verbesserung ist insbesondere auf das höhere „akademische Ansehen“ der USP und das „Ansehen seitens des Arbeitgebers“ zurückzuführen. So konnte die USP nach zwei Jahren ohne Veränderung, im Jahr 2015 einige Plätze aufholen.

Diesen Ergebnissen schließt sich auch das Xangai Ranking von 2016 an, das die USP als die beste ibero-amerikanische Universität einordnet (diese erscheinen im Ranking zwischen den Plätzen 101 und 150).

Das Xangai Ranking stützt sich bei seiner Auswertung auf sechs Kriterien, die unter anderem folgende Aspekte berücksichtigen: Anzahl der Nobelpreis, Anzahl der Forschungsarbeiten, die in Publikationen auf hohem Niveau erscheinen, sowie die Zitierquote der Forscher von jeder Universität in Arbeiten ihres Fachbereiches.

Im Ranking Universitário Folha (RUF) 2016 erreichte die Universidade Federal do Rio de Janeiro (UFRJ) mit 97,46 Punkten den ersten Platz, knapp gefolgt von der USP mit 97,03 Punkten. Die restlichen 8 der TOP-10 Universitäten sind: Unicamp, Universidade Federal de Minas Gerais (UFMG), Universidade Federal do Rio Grande do Sul (UFRGS), Universidade Estadual Paulista (UNESP), Universidade Federal do Paraná (UFPR), Universidade Federal de Santa Catarina (UFSC), Universidade de Brasília (UnB) und die Universidade Federal do Ceará (UFC).

Das Ranking wird jährlich von der Tageszeitung Folha de S. Paulo erstellt. Hierbei werden 195 brasilianische Universitäten in Vergleich zueinander gestellt. Folgende Aspekte werden bei der Auswertung der Universitäten berücksichtigt: Qualität der Lehre, Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt, Forschung, Internationalisierung und Innovation. Zudem bewertet das RUF in unabhängigen Rankings die 40 gefragtesten Studiengänge Brasiliens, gemäss der Klassifikation der Hochschulrangliste von 2014.

Zahlen und Fakten
Seit der Einrichtung des Prouni-Programms stieg die Anzahl der Studierenden an brasilianischen Universitäten beträchtlich. Prouni ist ein Programm des brasilianischen Bildungsministeriums, das Stipendien an Studierende ohne Universitätsabschluss vergibt. Die Voll- bzw. Teilstipendien sind für Graduierten-Studiengänge oder Fortbildungskurse an privaten Hochschulen bestimmt.


Die Zahl der Neueinschreibungen in Bachelorstudiengänge erreichte im Zeitabschnitt/in den Jahren 2000 bis 2005 stetige Zuwachsraten von bis zu 13% und geht seit 2015 zurück. Im Jahr 2014 schrieben sich 3,1 Mio. neue Studenten ein, während es im Jahr 2015 nur noch 2,9 Mio. waren, was einer Abnahme von 6,9% entspricht. Dieser Rückgang erfolgt parallel zur Reform der brasilianischen Regierung, die die Anzahl der Stipendien „Fundo de Financiamento Estudantil (Fies)“ für Studierende an privaten Einrichtungen reduziert hat. Die privaten Einrichtungen kommentierten, dass diese Reform und die Wirtschaftskrise in Brasilien auch die Einschreibungen im Jahr 2017 stark beeinflusst haben. Die Zahlen entsprechen der Hochschulstatistik von 2015, veröffentlicht am 6. Oktober 2017 vom INEP (Nationales Institut für Bildungsstudien und -forschung Anísio Teixeira).

Die Zahl der eingeschriebenen Studenten auf öffentlichen Universitäten ist seit 2009 konstant. Ihren Höhepunkt erreichte sie zwischen 2013 und 2014. Damals immatrikulierten sich ganze 16% mehr neuer Studierender. Gleichzeitig stiegen auch die staatlichen Ausgaben für das „Fundo de Financiamento Estudantil (Fies)“, und zwar von 7,5 Milliarden R$ auf 12,2 Milliarden R$.

Laut der Klassifikation der Hochschulrangliste 2015 ging die Anzahl der Neu-Einschreibungen erneut zurück. Demnach immatrikulierten sich insgesamt 2.920.222 neuer Studenten, also 6,13% weniger als im Vorjahr. An öffentlichen Hochschulen entspricht es einem Rückgang von 2,55%.

Laut Statistik waren im Jahr 2015 8.033.574 Studenten in Hochschulen eingeschrieben. Dies entspricht einem Zuwachs von 2,5% im Vergleich zum Vorjahr. Aktuell werden 33.000 Bachelor-Studiengänge in 2.364 Hochschulen angeboten.

Der Statistik zufolge gab es insgesamt 6,1 Mio. freier Plätze an öffentlichen und privaten Hochschulen, wobei nur 42,1% vergeben sind und 13,5% der übrigen Plätze bereits belegt waren. Die Statistik informiert weiterhin darüber, dass Studiengänge mit Anwesenheitspflicht satte 6,6% weniger neueingeschriebener Studenten haben. Selbst in Fernstudiengänge haben sich 2015 4,6% weniger neuer Studenten eingeschrieben, als im Vorjahr.

Private Hochschulen überwiegen

Die Statistik weist auf, dass 87,5% der brasilianischen Hochschulen privat sind. Unter den öffentlichen Universitäten teilt sich es wie folgt auf: 40,7% werden von den Bundesstaaten organisiert, 36,3% vom Bund und 23% von den Kommunen. Bei den meisten Universitäten handelt es sich um öffentliche Hochschulen (54,9%), während wir bei privaten Einrichtungen insbesondere universitäre Zentren (94%) und Fakultäten (93%) finden werden.

Von den existierenden Universitäten in Brasilien machen 8,2% der gesamten Institutionen für Höhere Bildung aus. Mehr als die Hälfte, und zwar 53,2%, der immatrikulierten Bachelorstudenten solvieren ihr Studium auf einer Universität ab, davon haben 94% der Studiengänge Teilnahmepflicht. Die meisten dieser Studiengänge werden in der Region Süd-Osten (Espíritu Santo, Rio de Janeiro, Minas Girais und São Paulo), und zwar mit 45,1%, angeboten.

Auf Bundesebene gab es den höchsten Satz an neuen Einschreibungen (90,1%). In Bezug zu den Leerstellen, die in den letzten Jahren bestanden, haben die Universitâten auf bundesstaatlicher Ebene ebenfalls einen Zuwachs an Einschreibungen zu verzeichnen (27,4%).

Die Statistik zeigt, dass zwischen 2014 und 2015, die Anzahl der Absolventen an öffentlichen Universitäten um 0,8% zurückging. An den privaten Universitäten dagegen stieg die Ziffer um 15,9% an. Wenn man jedoch die Gesamtziffer betrachtet, so stieg die Gesamtzahl der Absolventen von Bachelorstudiengängen mit Anwesenheitspflicht um 9,4% im Vergleich zum Jahr 2014. Währenddessen entscheiden sich auch immer mehr Studenten für ein Fernstudium. So stieg hier die Anzahl der Studierenden um 23,1% an. Die meisten Hochschuldozenten haben einen Doktortitel (51,6%). In privaten Hochschuleinrichtungen ist die Anzahl der Doktortitelträger sehr mager dagegen. So können nur 20,8% der Dozenten an privaten Hochschulen einen Doktortitel vorweisen. In 10 Jahren ist hier ein Anstieg von Doktortitelträgern von 8,5% zu verzeichnen. An öffentlichen Universitäten, wo die Mehrheit von Doktoren ausgebildet wird (57,9%), stieg die Anzahl der Doktortitelträger in den letzten 10 Jahren um 17,8%.

Sowohl in Präsenzstudiengängen als auch in Fernstudiengängen machen Frauen den grössten Anteil aus. In den Präsenzstudiengängen ist das Durchschnittsalter der Studierenden 21 Jahre. Bei den Fernstudiengängen sind die Studierenden im Schnitt 33 Jahre alt. Die Pädagogik-Bachelorstudiengänge weisen den höchsten Frauenanteil auf. Der höchste Männeranteil ist dagegen in Rechtswissenschaften zu verzeichnen.

Laut der Statistik studieren in Brasilien 15.605 ausländische Studenten aus 174 verschiedenen Ländern. Dennoch machen sie gerade mal 0,2% aller eingeschriebener Studenten aus.

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